Die Drei-Festungen-Wanderung: Forte Mare, Kanli Kula, Spanjola

Ein halber Tag zu Fuss durch die venezianischen, osmanischen und spanischen Verteidigungsschichten von Herceg Novi.

Warum drei Festungen in einer Stadt

Herceg Novi wechselte haeufiger den Besitzer als fast jede andere Stadt an der Adria. Gegruendet 1382 vom bosnischen Koenig Tvrtko I., wurde es nacheinander von Venezianern, Osmanen, Spaniern, der oesterreichisch-ungarischen Monarchie und schliesslich Montenegro gehalten. Jeder Herrscher hinterliess Befestigungen, und drei davon sind heute noch begehbar. Das Ergebnis ist eine kompakte Freiluft-Geschichtsstunde, die rund fuenfhundert Jahre umspannt und vom Meeresspiegel bis zum Bergkamm ueber der Altstadt fuehrt.

Anders als Kotors durchgehende Mauer sind Herceg Novis Verteidigungsanlagen separate Bauwerke, die durch die Treppengassen der Stadt miteinander verbunden sind. Der Weg zwischen ihnen fuehrt durch Wohnviertel, unter Zitrusbaeumen hindurch und an Viertelskatzen vorbei, die auf warmen Steinen doesen — die Festungen sind in den Alltag der Stadt eingebettet, statt abseits davon zu stehen.

Forte Mare: Das Bollwerk am Hafen

Forte Mare liegt direkt am Hafen, seine Mauern steigen aus den Felsen empor, wo Promenade und Meer aufeinandertreffen. Urspruenglich eine bosnische Befestigung, wurde es im 17. Jahrhundert von den Venezianern umgebaut und dient heute als Sommerfreilichtkino und Konzertbuehne. Die Terrasse auf der oberen Ebene bietet einen weiten Blick ueber die Buchtmuendung zur Lustica-Halbinsel, und im Juli und August finden Freiluftfilmvorfuehrungen unter dem Sternenhimmel statt. Ausserhalb der Veranstaltungen ist der Besuch kostenlos und dauert etwa zwanzig Minuten.

Kanli Kula: Das Blutturm-Amphitheater

Kanli Kula — der Name bedeutet Blutturm — wurde von den Osmanen erbaut und waehrend ihrer Besatzung als Gefaengnis genutzt. Der Innenhof wurde in ein Freilicht-Amphitheater mit ueber tausend Plaetzen umgewandelt, und das Sommerfestival von Herceg Novi zeigt hier im Juli und August Theater, Ballett und Musik. Die Festung liegt auf halber Hoehe des Aufstiegs, etwa zehn Minuten bergauf von Forte Mare durch die Altstadttreppen. Der Eintritt kostet wenige Euro, und von den Zinnen blickt man direkt auf die Terrakottadaecher hinunter.

Blick von der Festung Kanli Kula ueber die Daecher von Herceg Novi

Spanjola: Die Spanische Gipfelfestung

Die hoechstgelegene der drei Festungen wurde im fruehen 16. Jahrhundert waehrend der kurzen spanischen Besatzung erbaut und spaeter von Osmanen und Oesterreichern verstaerkt. Sie kront den Huegel hinter der Altstadt und bietet das breiteste Panorama — den gesamten Buchteingang, die Halbinsel Prevlaka, die Insel Mamula und bei klarem Wetter die kroatische Kueste. Der Aufstieg von Kanli Kula dauert weitere fuenfzehn Minuten durch steile Wohngassen. Wer die Treppenwanderungen von Herceg Novi mag, findet einen natuerlicken Anschluss in unserem Fuehrer zu den 100.000 Stufen der Stadt.

Die Wanderroute

Starten Sie an Forte Mare am Hafen, gehen Sie bergauf durch den Altstadtplatz (Trg Nikole Djurkovica), weiter ueber die Steintreppen vorbei am Uhrturm und der Sahat Kula, erreichen Sie Kanli Kula und folgen Sie den schmalen Gassen hinauf zur Spanjola. Die gesamte Gehzeit betraegt bei gemuetlichem Tempo inklusive Fotostopps etwa neunzig Minuten. Den Abstieg nehmen Sie denselben Weg oder schleifen ueber das Stadtviertel Topla auf der Ostseite zurueck.

Wo parken

Am bequemsten parken Sie entlang der Uferpromenade nahe Forte Mare oder auf dem Parkplatz hinter dem Hotel Perla. Von Spanjola aus koennen Sie auch weiter bergauf Richtung Kloster Savina fahren — siehe unseren Fuehrer zu Kloster Savina und die Nebenstrassen.

Praktische Tipps

  • Dauer: 1,5–2,5 Stunden fuer alle drei, je nachdem wie lange Sie an jeder Festung verweilen.
  • Schuhe: Feste Sandalen oder Turnschuhe. Die Treppen sind steil und aus unebenem poliertem Stein.
  • Wasser: Nehmen Sie eine Flasche mit. Es gibt Cafes bei Forte Mare und Kanli Kula, aber nichts bei Spanjola.
  • Sonnenschutz: Der Aufstieg zur Spanjola ist von Mai bis September voellig ungeschuetzt. Hut und Sonnencreme sind unverzichtbar.

Auf einen Blick

Gesamtstrecke~2,5 km
Dauer1,5–2,5 Stunden
EintrittForte Mare kostenlos; Kanli Kula 2–4 EUR
Beste ZeitFruehmorgens oder am spaeten Nachmittag